am 15.10.2021
Lunara spürte seine Hand, bevor sie wirklich begriff, dass er sie ihr gegeben hatte. Warm, unsicher, ein wenig zitternd — und doch so ehrlich, dass es ihr Herz berührte wie kaum etwas zuvor. Seine Finger waren rauer als ihre, seine Berührung vorsichtig, als hätte er Angst, sie könnte zerbrechen. Dabei war es genau andersherum: Er war derjenige, den sie halten wollte.
Er glaubt, er müsse perfekt sein, um genug zu sein. Dabei reicht es, dass er hier ist. Dass er bleibt. Dass er mich ansieht, als wäre ich nicht zu viel.
Als er ihren Namen aussprach, so brüchig und gleichzeitig so mutig, hob Lunara den Kopf. Ihre Flügel schimmerten leise hinter ihr, ein sanftes, warmes Leuchten, das nicht aus Magie entstand, sondern aus Gefühl. Sie trat näher, überwand den letzten Abstand, der zwischen ihnen existierte, und ließ ihre Stirn fast seine berühren.
„Leander…“ flüsterte sie, und sein Name klang in ihrer Stimme wie etwas Kostbares. „Du musst nicht rennen, um bei mir anzukommen.“
Sein Geständnis — dass er ihr wie ein Verrückter hinterhergelaufen war — ließ sie leise lachen, dieses helle, unbeschwerte Lachen, das er so überrascht aufgenommen hatte. Sie sah, wie es ihn traf, wie es etwas in ihm löste, das viel zu lange fest gewesen war.
Er denkt, es sei kindisch. Aber es ist mutig. Und echt. Und ich will genau das — ihn, nicht die Fassade, die er glaubt tragen zu müssen.
Als er sagte, er wolle nie mehr gehen, hob Lunara ihre Hand und legte sie an seine Wange. Ihre Finger waren warm, sanft, und sie spürte, wie er den Atem anhielt.
„Wenn du bleibst,“ sagte sie leise, „dann nicht, weil du musst. Sondern weil du willst. Und ich… ich will dich hier.“
Seine Worte über das Beweisen trafen sie tief. Sie sah die Müdigkeit darin, die Erschöpfung, die Angst, nie genug zu sein. Und sie wusste, dass er das nicht für sie tragen musste.
Sie verschränkte ihre Finger fester mit seinen, bewusst, klar, ohne Zögern.
„Du musst mir nichts beweisen,“ murmelte sie. „Nicht heute. Nicht morgen. Nicht jemals.“
Ihre Flügel bewegten sich leicht, ein sanftes Rascheln, das wie ein Atemzug klang. Er sah sie an, als würde er sich nicht trauen, sie zu berühren, und Lunara lächelte weich.
Er denkt, er könnte mich verletzen. Dabei ist er derjenige, der so vorsichtig ist, dass er sich selbst vergisst.
Als er vom Tanzen sprach, schmunzelte sie, ein warmes, spielerisches Funkeln in den Augen.
„Musik?“ Sie schüttelte leicht den Kopf. „Ich brauche keine Musik, wenn du mich hältst.“
Sie trat einen Schritt näher, hob ihre freie Hand und legte sie auf seine Brust, über sein Herz, das schnell, aber nicht panisch schlug.
„Tanzen wir,“ sagte sie leise. „So, wie wir sind. Ohne Regeln. Ohne Erwartungen.“
Und als er sagte Bin dabei, spürte sie, wie sich etwas in ihr öffnete — ein Raum, der nur für ihn existierte.
Sie führte seine Hand an ihre Taille, legte ihre eigene an seine Schulter, und für einen Moment standen sie einfach da, in einer Stille, die nicht leer war, sondern voller Bedeutung.
Er nimmt meine Hand, als wäre sie etwas Zerbrechliches. Dabei ist das Einzige, was zerbrechen könnte, sein Herz — wenn ich nicht aufpasse. Und ich werde aufpassen. Ich werde ihn halten, wenn er fällt. So wie er mich hält, ohne es zu merken.
Lunara hob den Blick, sah ihn an, und ihre Stimme war kaum mehr als ein Hauch:
„Es ist mir auch ernst, Leander. Und ich gehe mit dir. Wohin du willst.“
Und in diesem Moment wusste sie:
Dies war kein Tanz für eine Nacht.
Es war ein Anfang.
Ein echter.
Ein gemeinsamer.
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