am 15.10.2021
Es war einer jener Tage gewesen, an denen die Minuten sich wie Stunden zogen. Lunara hatte die endlosen Erklärungen ihrer Lehrmeister über magische Konvergenzen hinter sich gebracht, ihre Gedanken kreisten immer noch um komplizierte Formeln, obwohl sie sich endlich außerhalb der Unterrichtsräume befand. Der steinerne Gang war kühl, die Luft angenehm ruhig – ein Moment, den sie sich redlich verdient hatte.
Doch ihre Gedanken waren der Umgebung vorausgeeilt, und so bemerkte sie zu spät, wie jemand um die Ecke kam. Es war ein Zusammenstoß, kein heftiger, aber dennoch genug, um Lunara innezuhalten. Ihr Blick fiel sofort auf den Fremden: einer der Schüler von der Spezialistenschule. Ausgerechnet. Sie wich rasch zurück, die Wangen flammten rosa auf.
„Oh… äh… es tut mir leid!“ murmelte sie, die Worte stolperten aus ihrem Mund wie junge Hasen im Frühling. Ihre Stimme klang ungewöhnlich hoch, fast so, als hätte sich die Peinlichkeit in ihre Stimmbänder geschlichen. Sie wich noch einen Schritt zurück, hielt ihre Hände dicht an sich, als könnte sie so die Situation ungeschehen machen.
Sie wagte einen weiteren Blick, kurz und unsicher, und als ihre Augen seine trafen, wollte sie sich am liebsten hinter einem Busch verstecken – dumm nur, dass der Gang leer und offen war. Warum hatte sie nicht besser aufgepasst? Warum musste es ausgerechnet heute passieren, wo sie sich ohnehin schon wie ein aufgewirbelter Zaubertrank fühlte?
Lunara konnte nicht sagen, ob er sie seltsam ansah oder einfach überrascht war, aber sie neigte leicht den Kopf und sprach ein zweites, leiseres „Entschuldigung…“ – diesmal kaum hörbar. Dann ging sie rasch weiter, ihre Schritte schneller als gewöhnlich, als wollte sie der Szene davonlaufen. Und obwohl sie versuchte, sich wieder in die Ruhe des Tages zu versenken, blieb ihr Herz noch einige Zeit lang leicht klopfend.
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